Zero Palmöl – Regenwald statt Monokultur

Der Orang Utan steht vor dem Aussterben. Ein Grund: Wir holzen den Regenwald ab, um an der Stelle Palmöl-Monokulturen anzubauen, in denen er nicht überleben kann | © SAVE WildlifeDer Orang Utan steht vor dem Aussterben. Ein Grund: Wir holzen den Regenwald ab, um an der Stelle Palmöl-Monokulturen anzubauen, in denen er nicht überleben kann | © SAVE Wildlife

Palmöl ist in vielen Dingen unseres täglichen Lebens drin – in Lebensmitteln, Kosmetik und Reinigungsmitteln. Wir kaufen es meistens, ohne uns bewusst zu machen, wie viel Zerstörung und Leid damit verbunden ist.

Die Stiftung SAVE Wildlife hat nun die neue Kampagne „ZeroPalmöl“ gestartet, um unsere Aufmerksamkeit auf die Umweltzerstörung und die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Anbau von Palmöl zu richten.

 

 

 

Dafür hat sie unter andere eine App und eine Datenbank erstellt, die fast 7.000 palmölfreie Produkte enthält und über das Engagement der einzelnen Hersteller informiert (http://zeropalmoel.de/datenbank). Wir sprachen mit Lukas Maier von SAVE Wildlife und wollten mehr wissen.

Warum ist Palmöl problematisch?

Lukas Maier: Der Anbau von Palmöl ist einer der Hauptgründe für Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Regenwaldgebieten. Besonders in Indonesien und Malaysia, wo fast 90 Prozent des Palmöls weltweit angebaut werden, zeigt sich das Problem mit dem Pflanzenfett.

Natürlich ist die Pflanze nicht per se böse oder schlecht, aber die Profitgier und Rücksichtslosigkeit der Plantagenbetreiber gepaart mit dem gezielten Wegschauen multinationaler Konzerne macht den Anbau zu einem riesigen Problem, das den meisten Verbrauchern in Deutschland unbekannt ist.

Was bedeutet Palmöl für den Regenwald?

Lukas Maier: Um Flächen zum Anbau der Ölpalmen zu schaffen, werden häufig heimlich und illegal Feuer gelegt. Riesige Gebiete Primärwald werden abgefackelt, die Lebensräume bedrohter Tierarten – wie die der Orang-Utans oder Tiger – werden zerstört. Oder aber die Regenwaldriesen werden gefällt und das Holz verkauft – damit finanziert sich gleich die Anlage der Palmölplantage. Aus Jahrtausende altem tropischem Regenwald, dem artenreichsten Ökosystem der Welt, wird eine trostlose Monokultur.

Und welche Folgen hat Palmöl für die Menschen?

Lukas Maier: Die Menschen vor Ort leiden auch: Kleinbauern werden mit Gewalt vertrieben, das gleiche Schicksal ereilt indigene Völker. Die Menschen müssen wie Sklaven auf den Plantagen arbeiten, ohne Schutzkleidung spritzen sie längst verbotene krebserregende Pestizide – unter ihnen viele Kinder. Zahlreiche weitere Menschenrechtsverletzungen stehen an der Tagesordnung, doch vor Ort kann niemand etwas dagegen tun.

In welchen Produkten befindet sich Palmöl eigentlich?

Lukas Maier: Palmöl befindet sich in jedem zweiten Produkt im Supermarkt – auch in Biomärkten. Es ist das billigste Pflanzenfett und wegen seiner Konsistenz, Geschmacks-Neutralität und vor allem seines billigen Preises bei Herstellern sehr beliebt. Es steckt in Schokoladentafeln und –creme, Gebäck, Marmeladen, Fertigpizza, Babynahrung, Hundefutter…, die Liste könnte man unendlich fortsetzen.

Aber neben Lebensmitteln enthalten auch Kosmetika und Reiniger häufig Palmöl. Und während es bei Lebensmitteln seit 2014 immerhin eine Deklarationspflicht gibt, gilt diese für Non-Food-Artikel wie Make-Up, Shampoo oder Waschmittel nicht.

Was kann ich tun, um palmölfrei zu leben?

Lukas Maier: Palmöl und seine Derivate verbergen sich hinter vielen Namen, sich alle zu merken und beim Einkauf mühselig alle Inhaltsstoffe der Produkte durchzulesen frustriert noch zusätzlich zum Ärger über die Häufigkeit dieser Zutat. Darum haben wir eine einfachere Lösung für Verbraucher*innen entwickelt:

Mit Hilfe unserer kostenlosen App „ZERO – Produkte ohne Palmöl“ für iOS und Android kann jeder palmölfreie Produkte finden und diese bewusst kaufen. Mittlerweile befinden sich darin über 6.000 Produkte von etwa 265 Herstellern. Die App hilft besonders bei Reinigungsmitteln und Kosmetika, bei denen es bis heute leider keine Deklarationspflicht gibt.

Das erstaunliche dabei: in jeder Produktkategorie gibt es palmölfreie Alternativen zu den herkömmlichen Produkten. Die Ausrede, Palmöl sei unersetzlich, gilt also nicht.

Bei Lebensmitteln ist es sinnvoll selbst zu kochen und auf Convenience-Food zu verzichten, welches meist Palmöl enthält. So haben Verbraucher*innen die Kontrolle über alle Zutaten.

 

Was sollte sich an den Rahmenbedingungen ändern?

Lukas Maier: Die effektivste Maßnahme ist eine Steuer auf Produkte die Palmöl enthalten sowie auf den Import von Palmöl. Geht der finanzielle Vorteil für die Unternehmen verloren, werden sie sich nach Alternativen umsehen, die sowohl ökologisch als auch sozial verträglicher und besser sind.

Das können heimische Öle wie Raps oder auch innovative Inhaltsstoffe wie Algen-Öl sein. Eine absolute, alle Produktkategorien umfassende Deklarationspflicht wäre aber auch ein Anfang. Dann hat man als Kunde die Möglichkeit, sich aktiv gegen Produkte mit Palmöl zu entscheiden.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Foto: © SAVE Wildlife

Quelle: https://www.fuereinebesserewelt.info/zeropalmoel-regenwald-statt-monokul...

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