Der Flüchtlingsmarsch nach Europa

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Um Fluchtursachen zu bekämpfen braucht es eine schnelle Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien

Europa und Deutschland werden seit Monaten von einem steil anschwellenden Flüchtlingsstrom erfasst.

Viele Menschen sind über die Heftigkeit überrascht. Dabei ist die heutige Flüchtlingswelle nur die logische Folge einer unzulänglichen jahrzehntelangen Politik, die die Fluchtursachen nicht in den Mittelpunkt einer vorsorgenden Politik stellte. Im Gegenteil, das globale Erdölwirtschaftssystem, also die gesamte fossil-atomare Weltwirtschaft wird bis heute massiv gestützt, mit weiteren Subventionen, Korruption, Finanz-Investitionen und einer vielfachen Agitation gegen ein schnelles Wachstum der Erneuerbaren Energien.

Seit Jahrzehnten ist für bewusst denkende und handelnde Menschen und viele NGOs klar, dass eine weitere Ausbeutung großer Teile der Menschheit, dass eine Verschärfung der Klimakrise, dass die Aufrechterhaltung der fossil-atomaren Weltwirtschaft zu Armut, Ungerechtigkeit und Krieg und damit zu ungeahnten großen Flüchtlingsströmen führen.

Schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben viele Menschen auf die wachsenden Nord-Süd-Konflikte hingewiesen. 1990 hat der Film „Der Marsch“ genau ein solches Szenario beschrieben, wie wir es heute erleben. 

Dabei sind die Hauptfluchtursachen schnell ausgemacht: Kriege, Terror und Vertreibung, auch in Verbindung mit religiöser Verblendung, sowie Armut und Vernichtung der Lebensgrundlagen.

Beides wird vor allem durch unseren westlichen Lebensstil verursacht. Es stört viele unserer MitbürgerInnen nicht, wenn sie Autos fahren und Wohnungen heizen, für deren Energieversorgung auch Erdöl aus Terroristenhand verwendet wird. Erdöl ist die Hauptfinanzquelle von IS, Al Qaida, Boko Haram, von Syriens Präsident Assad oder den sich bekriegenden sudanesischen Machthabern. Kolumbianische Kohle wird auch in deutschen Kohlekraftwerken verbrannt, obwohl Kolumbien nach Syrien vor allem wegen des Kohleabbaus für den Export weltweit das Land mit den zweitmeisten Binnenflüchtlingen ist.

Die Klimakrise als Zerstörung der Lebensräume durch schlimmste Wetterextreme führt zu immer mehr Flüchtlingen, selbst in reichen Regionen. Aktuell flüchten tausende Menschen vor den verheerenden Waldbränden und Dürren in Kalifornien. Zu den Flüchtlingen nach Europa aus den Kriegsgebieten im nahen Osten gesellen sich tausende Flüchtlinge aus Afrika, denen der Klimawandel z.B. durch Wüstenausbreitung die Lebensgrundlagen längst geraubt hat. Und wie wollen wir denn mit den Flüchtlingen umgehen, die durch den steigenden Meeresspiegel heute schon in Bangladesch und in einigen Jahrzehnten auch in Holland ihre Heimat verlassen müssen? Hohe Zäune, wie sie gerade Ungarn an der Grenze zu Serbien, aber auch Indien an der Grenze zu Bangladesch aufbauen, können nicht die Lösung sein.

Ja, die Entscheidung von Kanzlerin Merkel, aus humanitären Gründen die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, ist eine mutige und politisch sehr starke Entscheidung. Ohne sie wäre die Flüchtlingskrise nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für uns schlimm eskaliert.

Aber das Regierungshandeln von Frau Merkel, Herrn Seehofer und Herrn Gabriel ist seit vielen Jahren fundmental gegen die Bekämpfung der Fluchtursachen gerichtet. Sie haben sich daher zusammen mit großen Teilen der Finanzwirtschaft, Konzernen und auch Medien schuldig gemacht an der Verschärfung der Flüchtlingskrisen. Ihre permanenten Agitationen gegen die Erneuerbaren Energien, ihre Stützung von Großkonzerninteressen im Agrarsektor, ihre Rohstoffbeschaffungspolitik, führen nur dazu, dass auch der deutsche Erdölkonsum weiter die IS Terroristen finanziert und weiter das Klima aufheizt. Gerade wegen des IS Terrors kommen aus Syrien und angrenzenden Ländern aktuell die meisten Flüchtlinge nach Europa. Im letzten Jahr hatte ich in einem offenen Brief an Energieminister Gabriel geschrieben, der Terrororganisation IS die Geldquelle Öl zu schließen, leider ohne ernsthafte Reaktion.

Ohne einen schnellen Umbau des Erdölzeitalters zu einer solaren Weltwirtschaft mit sozial gerechten Strukturen werden wir die ständig wachsenden Flüchtlingsströme niemals bewältigen können. Ja, Humanitäre Aufnahme der Flüchtlinge ist das Gebot der Stunde. Eine schnelle Ablösung des Erdölzeitalters aber genauso, um den Fluchtursachen begegnen zu können. Und hier versagen Frau Merkel und Herr Gabriel genauso wie große Teile der Mächtigen in der Welt. Wir brauchen endlich einen schnellen Umbau auf eine weltweite Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien, eine ökologische Agrarwirtschaft und einen fairen Welthandel, damit Terrorfinanzierung, Korruption und Vertreibung durch Rohstoffabbau eingedämmt, sowie Armutsbekämpfung und eine Abkühlung des Weltklimas möglich werden. Ein Umbau der Energieversorgung zu 100% Erneuerbaren Energien ist ein wesentlicher Beitrag zur mittel- und langfristigen Bekämpfung der Flüchtlingsströme. Das Ausbremsen der Erneuerbaren Energien durch die Regierung Merkel/Gabriel wird dagegen nur zu weiteren Flüchtlingsströmen führen. 

© Quelle Artikel Hans Josef Fell | zum Artikel 

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Der Marsch ist ein Film des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern. Der Film ist aus dem Jahr 1990 nach dem Roman von William Nicholson. Er geht von einer unbestimmten Zukunft aus, in der aufgrund des Klimawandels große Teile Afrikas unbewohnbar geworden sind und in Europa die rassistischen Spannungen zugenommen haben. 

Handlung: 
Hauptpersonen sind die Irin Clare Fitzgerald, Kommissarin für Entwicklung bei der Europäischen Gemeinschaft, und der Nordafrikaner Isa el Mahdi, der einen Marsch aus nordafrikanischen Flüchtlingscamps nach Europa organisiert. Seine Hoffnung bei der Organisation dieses Marsches: „Wir glauben: wenn ihr uns vor euch seht, werdet ihr uns nicht sterben lassen. Deswegen kommen wir nach Europa. Wenn ihr uns nicht helft, dann können wir nichts mehr tun, wir werden sterben, und ihr werdet zusehen, wie wir sterben und möge Gott uns gnädig sein."

Die Kommissarin setzt sich intensiv für eine Verhandlungslösung ein, doch scheitert sie bei den verschiedenen Gremien. Am Schluss erklärt sie: „Wir brauchen euch, wie ihr uns braucht. Wir können nicht weitermachen, wie bisher. Sie können uns helfen, die Zerstörung aufzuhalten, die wir anrichten. Aber wir sind noch nicht bereit für euch, ihr müsst uns noch mehr Zeit geben."

Das Schlussbild zeigt die jubelnden Teilnehmer des Marschs, die die Meerenge überwunden haben, auf dem Weg auf die wartenden spanischen Soldaten zu. (Vorher ist gezeigt worden, dass ein Junge bei der Landung erschossen wurde.)

Der Film ist ein Plädoyer für mehr Einsatz der Industrieländer für die Entwicklungsländer, dabei behält er im Wesentlichen die Perspektive der wohlwollenden Kommissarin. Die protestierenden Schwarzafrikaner werden von außen gesehen.

© Quelle Youtube | Zum Film

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